Thursday, February 11, 2016

Anforderungen und Hinweise zur Methodik für professionelle Schwarzstorch-Raumnutzungsanalysen (BS-RNA) in Deutschland

Die richtige Auswahl der Beobachtungspunkte ist die wichtigste Voraussetzung für eine allumfassende Betrachtung und Erfassung der Nahrungs- und Fütterungsflüge, Revierflüge, Interaktionen und Thermikareale des Schwarzstorchs innerhalb des 6 km-Prüfbereiches für WEA-Planungsprojekte in Deutschland.

Innerhalb eines fachlich vorgegebenen 6 km-Prüfpuffers um die geplanten WEA sind die Checkpoints (CP) unmissverständlich so zu wählen, dass die Flugbewegungen beständig mit der erforderlichen Qualität und Quantität festgestellt und großräumig verfolgt werden können.

Die Kartierer müssen sich demnach noch vor Beginn der RNA-Untersuchungen im März eigenständig die nötigen Gebietsinformationen für den Untersuchungsraum erarbeiten. Diese unumgänglichen Gebietssondierungen im 6 km-Radius werden regelmäßig unterschätzt, sind aber elementar und schließen den Erfassungspunkt „Auswahl exponierter Beobachtungspunkte“ des Leitfadens fachlich wie methodisch ein:
  • Wo befinden sich die essentiellen Nahrungshabitate? » Hier sind prinzipiell die Fließ- und Stillgewässer im 6 km-Prüfbereich zu analysieren. Recherchen über ichthyologische Untersuchungen größerer Fließgewässer - in der Regel vorhanden – liefern erste wichtige Hinweise zur Nahrungsverfügbarkeit. Dazu benötigen die Kartierer jedoch gleichzeitig umfassende Vorkenntnisse über Schwarzstorch-Nahrungshabitat-Präferenzen.
  • Wenn vor Kartierungsbeginn noch keine Nistplätze im Untersuchungsgebiet (UG) bekannt sind » wo lassen sich erste Hinweise auf potentielle Bruthabitate abzeichnen - es gibt beispielsweise für die Mittelgebirgsregionen gebietsspezifische Suchparameter (hierzu benötigen die Kartierer abermals umfassende Vorkenntnisse über Schwarzstorch-Bruthabitat-Präferenzen).
  • Der Kartierer muss sich des Weiteren vor dem Eintreffen der Störche mit der Geomorphologie des UG auseinandersetzen, um es in seiner gesamten Komplexität auch als Lebensraum zu begreifen (elementar für die richtige Auswahl der CP).
Erst wenn eine spezielle Gebietssondierung mit den vorgenannten Parametern als zentraler Bestandteil der Methodik seine Umsetzung gefunden hat, ist der Kartierer überhaupt in der Lage, die richtige und vollständige CP-Auswahl vorzunehmen.



RNA beginnen grundsätzlich mit einer per GPS exakt eingemessenen Peilscheibe am Standort. Der fehlende Einsatz solcher Peilscheiben am Beobachtungspunkt führt zwangsläufig zu den ersten schwerwiegenden Ungenauigkeiten bei den Eintragungen/ Routenverläufen in den jeweiligen Kartenwerken mit nicht kalkulierbaren Folgewirkungen. Da die exponierten CP regelmäßig zwischen 2-4 km vom Planungsgebiet/ Brutplatz entfernt liegen müssen, führen stete Übertragungsfehler bei der Hand-Peilung schließlich zu fundamentalen Fehleinschätzungen.
Die üblichen Gradzahlabweichungen/ Ungenauigkeiten von 5° bis 10° bei herkömmlichen Geräten (z.B. mit dem Handkompass, GPS-Geräten oder dem Smartphone - wenn sie überhaupt zum Einsatz kommen) bewirken beispielsweise auf einer Entfernung von 4 km zum Beobachtungsobjekt bereits belangreiche Ungenauigkeit von 350 bis 750 m auf der Feldkarte!
Der Gutachter/ Kartierer muss stets transparent handeln und seine Methodik nachvollziehbar auf den Tisch legen (exakte Angaben der reinen Beobachtungszeiten pro Beobachtungspunkt, Wetter, welcher Einsatz der Technik, wie sind die Flugroutenverläufe plausibel zustande gekommen usw.). 

Führt ein beauftragtes Kartierungsbüro eine Schwarzstorch-RNA gemäß den gängigen Methodenstandards sach- und fachgerecht durch, so sind am Saisonende bei z.B. 18 vorgeschriebenen Begehungen mehr als 90-110 Nachweise/ BP sauber zu verifizieren.
Schwarzstorch-RNA-Spezialisten arbeiten mit bis zu 140 Nachweisen/ BP !
Bei einem üblichen Datenfundus von 90-110 Nachweisen/ RNA-Saison und BP lassen sich sehr gute statistisch belastbare Signifikanzen u.a. über Flugkorridore, Interaktionen und Thermikbereiche bis hin zum Tötungsrisiko nach § 44 (1) BNatSchG ableiten.


Die Karte zeigt eine vom Gutachter angefertigte Schwarzstorch-RNA-Halbtagskarte im 5 h-Ansitz für eine Plausibilitätsprüfung im Hohen Odenwald (Baden-Württemberg).
Die Ortungspunkte besitzen jeweilig hinterlegte Zusatzinformationen über Uhrzeit und Verhalten der Schwarzstörche (exakte Ortungen mit Peilscheibe und Höhenprofillinien - die wichtigen Informationen wurden während der Beobachtung mit einem Diktiergerät aufgenommen, um so die Vögel parallel im Luftraum nicht zu verlieren).
Die 105 Ortungspunkte betrafen 10 verifizierte Schwarzstorch-Nachweise in 5 h!
Das Gebiet ist mit seiner Brut- und Nahrungshabitat-Ausstattung mit denen vieler Mittelgebirgsregionen in Deutschland vollwertig vergleichbar. Eine wichtige Gebietssondierung erfolgte im Vorfeld.
Solche Tageskarten bilden letztendlich die fachliche Grundlage für transparente Funktionsraumkarten des Schwarzstorchs für ein WEA-Planungsgebiet, wie sie von den zuständigen Naturschutzbehörden fachlich immer einzufordern und kategorisch auf Plausibilität zu prüfen sind!
Nicht selten ließen sich vom Gutachter in einem Untersuchungszeitraum von 2-5 Jahren abweichende Raumnutzungsmuster bei Paaren an selber Brutstätte feststellen. In der Regel handelte es sich um längerfristig kontrollierte Paare in Monitoring-Gebieten. Neben einem möglichen Partnerwechsel zeichnete sich der Wetterverlauf zwischen den Brut- und Aufzuchtzeiten maßgeblich verantwortlich. So erschlossen bei längeren Trockenperioden die Schwarzstörche einen viel größeren Aktionsraum. Besonders dann, wenn ihre „Hausbäche“ im 1-3 km Radius zum Zeitpunkt des größten Nahrungsbedarfs im Juni und Juli drohten auszutrocknen. Die fütternden Brutstörche mussten reagieren und ihre Sondierungsflüge in noch weiter entfernt liegende Nahrungshabitate verlegen.

Die nachfolgenden Kriterien sollte, auch zur Vermeidung von vorschnellen Aussagen und Kartierungsabbrüchen, ein ausgewiesener Schwarzstorch-Kartierer unbedingt berücksichtigen:
Regional etablierte Schwarzstorchpopulationen – inkl. bis dato unentdeckte Brut- und Revierpaare charakterisieren sich allgemein durch: 
  • Brutpaare mit einem festen Brutplatz, in der Regel ohne Störungen und wiederholt erfolgreichen Bruten, ansonsten ist auch Nutzung eines Wechselnestes möglich: Solchen Paaren sind die Nahrungsplätze der Regionen bereits aus den Vorjahren bestens bekannt;
  • Brutpaare mit einer abgebrochenen bzw. gestörten Brut: Sie vagabundieren nachfolgend umher, bauen ggf. noch im Sommer (Juli/ August) ein neues Nest, was sie im Folgejahr dann beziehen. Sie sind regelmäßiger Nahrungsgast an geeigneten Nahrungshabitaten;
  • Revierpaare mit einem festen Revier, diese Paare finden sich erst im Verlauf der Brutzeit, schreiten nicht mehr zur Brut: Sie führen Revierflüge durch, oft gemeinsam, sondieren zusätzlich das Umfeld auf taugliche Nahrungsgründe und besuchen besetzte Nachbarreviere;
  • revierhaltende Einzelstörche/ Nichtbrüter: Diese besetzen nicht selten erst Ende April/ Anfang Mai das Gebiet und stören mitunter das Brutgeschäft benachbarter Brutpaare, nutzen regelmäßig die selben Nahrungsareale und wandern nicht selten schon Anfang Juli ab.
Hierbei bedarf es weiterer umfassender Kenntnisse, um derartige Nuancen einer oft nur sehr kurzzeitigen Schwarzstorchbeobachtung zügig einzuordnen.

Weiterhin sollte ein erfahrener und ausgewiesener Schwarzstorch-Spezialist bei guten Beobachtungsbedingungen frühzeitig erkennen:
  • ob es sich um einen brutreifen Altstorch handelt - in der Regel brüten Schwarzstörche ab dem 4. Kalenderjahr, können aber auch schon im 3. Kalenderjahr erfolgreich reproduzieren, der Kartierer muss daher die sichere Ansprache des Alters zwischen dem 2. und 3. Kalenderjahr inkl. des Mauserzyklus beherrschen;
  • ob z.B. beide Störche wirklich ein Paar im Luftraum bilden. Nicht selten kommt ein fremder Storch zum Revierpaar und fliegt mit einem dieser Revierinhaber z.T. auch länger im vermeintlichen Synchronflug, täuscht also ein Paar an falscher Stelle vor;
  • welcher Altstorch bei gleichzeitig drei kreisenden Störchen im Luftraum der Fremdstorch ist;
  • ob der Altstorch zur Brutablösung fliegt/ oder kommt;
  • ob der Altstorch einen gezielten Fütterungsanflug durchführt/ oder von der Fütterung kommt und wieder auf Nahrungssuche geht;
  • ob ein beobachteter Altstorch als Nichtbrüter einzustufen ist, usw. 
Die fachlichen Anforderungen liegen demzufolge speziell bei der Erfassung von Schwarzstörchen (Raumnutzung, Nestsuche etc.) für einen delegierten Kartierer in Deutschland sehr hoch. Wegweisende Referenzabfragen an den Kartierer werden bei den zuständigen Fachbehörden zudem immer wieder versäumt. 




Allgemeine Hinweise zum Meldeverhalten:
Viele in Deutschland befindliche WEA-Planungsgebiete werden periodisch immer wieder von unkalkulierbaren Nebel-Situationen heimgesucht (auch während der Brutperiode des Schwarzstorchs!). Dabei ändert sich die Wettersituation kurzfristig und damit einhergehend die Entstehung und Auflösung von Nebellagen über z.B. Bergkuppen, Hang- und Tallagen. Mitunter harren solche teils zähen Nebelbänke für einige Stunden aus. Auch an klassischen Regentagen mit einer kennzeichnenden Luftfeuchtigkeitskonstellation löst sich festsitzender Nebel nur selten im Verlaufe des Vormittages über den Gipfellagen auf.

Dies hat fatale Folgen, wenn sich nicht sichtbare, aber bewegliche Rotorblätter für die regelmäßig den Höhenrücken oder Ebenen überquerenden Schwarzstörche plötzlich als gefährliches Hindernis erweisen. Die Schwarzstörche sind ausnahmslos auch bei derartigen Witterungssituationen gezwungen, die Jungen kontinuierlich zu versorgen und dabei ihre Nahrungsreviere mit entsprechenden Überflügen unterschiedlichster Flughöhe anzusteuern. Sie finden bei diesen z.T. schlagartig auftretenden Nebelverhältnissen keine passende Gelegenheit mehr, den Rotorblättern während ihrer Überflüge noch rechtzeitig und sicher auszuweichen.
Gleiches trifft für die ausfliegenden und ihre Umgebung erkundenden Jungstörche zu (siehe unten). Ebenso für Interaktionen mit Fremdstörchen (Verfolgungsjagden etc.). Die Abbildungen unten veranschaulichen eindrucksvoll das bevorstehende Szenario einer solch kennzeichnenden Kollisionsgefahr mit lokalen und tückischen Hoch- bzw. Bodennebelbänken in der Rotorblattzone.



Ein visuelles Meideverhalten für WEA, wie es immer wieder für den Schwarzstorch angenommen und oft zitiert wird, versagt spätestens unter solchen Bedingungen. 

Weitere bis dato nicht beachtete massive Schwierigkeiten im Bereich von WEA finden sich während stürmischer Tage, hier insbesondere ab einer Windstärke von 5-6 bft. mit starken Windböen.
Bislang fünf dokumentierte Nachweise belegten vor Ort in Bayern (n=3) und Brandenburg (n=2), wie Alt- und Jungstörche durch unkalkulierbare Windböen unkontrolliert in den kritischen Rotorblattbereich gedrückt wurden. Zwei Schwarzstörche haben diese ungewollten „Einflüge“ nur mit sehr viel Glück überlebt. Auch hier scheitert ein gewünschter oder erhoffter visueller Meide-Effekt des Schwarzstorchs an bereits laufenden WEA kläglich.

Zwei weitere Kernfragen, die artenschutzfachlich bei WEA-Planungen regelmäßig vernachlässigt werden, haben jedoch schwerwiegende Auswirkungen auf das Kollisions- und Tötungsrisiko beim Schwarzstorch:

Wie gestalten sich die Ausflugs (Flügge)- und Erkundungsflugphasen der von der WEA-Planung betroffenen Jungstörche?

Welche Radien um den Nistplatz - als Dreh- und Angelpunkt der Aktivitäten - sind bis zum spätsommerlichen Wegzug als besonders kritische Zone einzustufen? = Jungstorch-Gefahrenzone (JGZ) - hier erhöhtes Kollisions- und Tötungsrisiko gem. § 44 BNatSchG.

Dazu folgende wesentliche Anmerkungen zur differenzierten Betrachtungsweise - bezogen auf den jeweiligen Brut- bzw. WEA-Standort:

Flugbewegungen und Flugverhalten von Jungstörchen werden nach den jüngsten Untersuchungen vom Gutachter erheblich von topografischen und geologischen Strukturen/ Besonderheiten unmittelbar am Nest und im Radius von 1.500 m zum Nest beeinflusst.

Beispielsweise, ob der Brutstandort (1):
  • im Flach- oder Bergland sich am Waldrand befindet (dazu kombiniert mit essentiellen Nahrungshabitaten im gleichen Sektor, offenen Strukturen, Hanglagen usw.), längerer innerer und äußerer Waldrandkulisse als beliebten Aufstiegshilfen (Thermiksäulen);
  • inmitten größerer Waldmassive innerhalb nahrungsreicher Mittelgebirgsregionen liegt (Laub- und Nadelwald gleichermaßen), durchsetzt mit vielen linearen und punktuellen Waldstrukturen (Waldwege, Schneisen, Lichtungen, kleine Standgewässer, Fließgewässer, Quellen, Übergänge vom Hochwald zu Lichtungen, Schonungen, Mooren usw.);
  • im Flach – oder leichten Hügelland mit strukturreichen Waldungen/ Gehölzen existiert (Bruten z.B. auch in isolierten  Feldgehölzen, Vielfalt an Stand- und Fließgewässern, Reliefenergie zum Offenland, Thermikhügel usw.).
Parallel ist zu differenzieren bzw. auch zu kombinieren, ob die jeweilige WEA-Planungsfläche auf der Gegenseite (2):
  • auf einer größeren Offenlandfläche - in der Regel Ackerland – errichtet werden soll (zusätzliche Betrachtung der Thermikbereiche und Nahrungshabitate);
  • inmitten eines Waldstandortes vorgesehen ist (besondere Betrachtungsweise der Waldstrukturen als Thermik- und Erkundungshilfen, Nahrungshabitate);
  • unmittelbar am Waldrand parallel mit seinen beliebten Aufstiegshilfen (Thermiksäulen), aber zugleich weiter entfernt liegenden Nahrungsflächen zu finden ist.
Die Erfassung definierbarer JGZ am Brutplatz sollte zukünftig Bestandteil von Schwarzstorch-RNA sein. Sie läuft parallel ohne großen Mehraufwand zur ursprünglichen RNA. Die RNA wird zudem aufgewertet und die JGZ dient ferner für konkrete Einzelfallentscheidungen als artenschutzfachliche und- rechtliche Bewertungs- und Argumentationshilfe. Durch die Komplexität ist jedoch auch hier zu beachten, dass sie nur von versierten Schwarzstorch-Spezialisten abzudecken sein wird.

Beispielgebende Untersuchungen vom Gutachter (2001-2015) zum 6- bis 17-tägigen Flugverhalten der Jungstörche (vom ersten Ausflug bis hin zum Verlassen der Niststätte) an ungleich strukturierten Brutplätzen in Mecklenburg-Vorpommern (n=6) und Bayern (n=10) zeigten im Mittel eine JGZ von 1.500 m um den Nistplatz (800 bis 2.800 m). Als Nachweis wurde nur gewertet, wenn der Jungstorch retour zum Nest geflogen ist und eine klare Zuordnung möglich war. Zuvor angebrachte Kennringe sicherten zusätzlich die Sichtnachweise von Jungstörchen mit größeren Flugdistanzen ≥ 1.500 m vom Nest ab.

Besonders in den ersten Flugtagen agieren Jungstörche zuweilen noch etwas tollpatschig. Dazu zählen auch die frisch gesammelten Erfahrungen bei ihren Thermikflügen. Vor allem dann, wenn sie plötzlich an Flughöhe ≥ 200 m gewinnen und später wieder den Nistplatz oder das nähere Umfeld anfliegen möchten. Dann sind, insbesondere an stürmischen Tagen, wiederholt ungestüme Anflüge und Landungen zu sehen, die aufgrund einer noch fehlenden Flugpraxis die notwendige Luftraumkontrolle (Turbulenzen) fast vollständig missen lassen (n=28)! Unterdessen entwickeln sich solche Anflüge und Landungen im Bereich geplanter Rotorblattzonen zu unberechenbaren Kollisionsrisiken.

Für strukturreiche Waldungen des Berglandes oberhalb ≥ 300 m NN, lassen sich für das Thermikverhalten bei Alt- und Jungstörchen gleichermaßen ableiten:
  • auslaufende Höhenrücken bietet für den Schwarzstorch optimale Bedingungen zum Thermiksegeln (siehe Abb. unten);
  • die Schwarzstörche erschließen regelmäßig diese Kamm- mit anliegenden Hanglagen zum Thermiksegeln, um längere Strecken zwischen den Brut- und Nahrungsplätzen energiesparend zu überwinden, dabei kann der Höhenrücken mit der Bildung attraktiver Thermikbrücken gleichzeitig von mehreren Paaren tangiert werden (Revierflüge, Nahrungsflüge und Interaktionen zwischen den Paaren);
  • immer wieder existieren mannigfaltige Waldrandstrukturen (Übergang vom Hochwald u.a. zur Aufforstung/ Naturverjüngung, Waldblößen) – sie erzeugen für den Schwarzstorch attraktive Aufwind-/ Warmluftzonen (bei monoton geschichteten „Einheitswäldern“ bleiben solche interessanten Thermikbrücken eher aus, hier überfliegen Schwarzstörche vielmehr den Wald in höheren Luftschichten im Gleitflug);
  • wie ein inzwischen über 30-jähriger Untersuchungszeitraum aufzeigt, liefern solche Übergänge auf Bergkuppen und Hanglagen - neben den klassischen Waldrandzonierungen zum Offenland - die favorisierten Thermikareale des Schwarzstorchs über dem bewaldeten Bergland;
  • dabei nutzen Schwarzstörche - wenn sie nach längeren Gleitphasen kontinuierlich an Flughöhe verlieren - diese neuen Thermiksäulen als Trittbrett (Brücke) auf den Bergrücken/ Hängen, um für neue Gleitflugphasen im Folgeschritt vorzusorgen; 



(1) Es wurde hierbei nur eine wichtige Vorauswahl/ Vergleich der Standorte für WEA-Planungen getroffen – es lassen sich weitere Übergangsvarianten/ Kombinationen (Wald und Offenland) finden.
(2) dito zu 2.


Beispiel für die Entstehung und Nutzung solcher Thermikbrücken für Schwarzstörche und weitere Großvogelarten (Beispiel: Greifvogel-Frühjahrszug im Odenwald).

Die fachliche Güte und der fachliche Anspruch für eine artspezifische RNA beim Schwarzstorch steht und fällt in Deutschland mit dem sach- und fachgerechten Begreifen vorgegebener Methodenstandards, aber vorrangig mit der Fachkompetenz ausgewiesener Schwarzstorch-Spezialisten.
Selbst erfahrenen Feldornithologen fehlen immer wieder die nötigen Fertigkeiten und Spezialkenntnisse, um eine Schwarzstorch-RNA mit all ihren Schwierigkeitsstufen umfassend und erfolgreich zu meistern. Die Erstellung von RNA zählt zu einer sehr komplexen Fachdisziplin, wobei die komplizierte Verhaltensökologie des Schwarzstorchs sowie dessen ökologische Präferenzen innerhalb seiner Nahrungs- und Bruthabitate aus dem Effeff beherrscht werden müssen.